Die erste offizielle S-Klasse: Mercedes-Benz W116
Der Mercedes-Benz W116 – Die Geburtsstunde der S-Klasse

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Mit der Vorstellung der Baureihe W116 im September 1972 begründete Mercedes-Benz eine neue Ära im automobilen Oberklassen-Segment. Obwohl die Marke aus Stuttgart schon zuvor luxuriöse Oberklasse-Modelle gefertigt hatte, wurde mit dieser Baureihe erstmals der Begriff S-Klasse offiziell etabliert. Die Limousine zeichnete sich durch ein maskulines, breitenbetontes Design mit horizontalen Scheinwerfern aus, das sich deutlich von den hochkant stehenden Leuchten des Vorgängers W108 unterschied. Der W116 mauserte sich schnell zum weltweiten Statussymbol und überzeugte Fachwelt wie Käufer durch ein bisher unerreichtes Maß an Komfort und technologischem Fortschritt.
Sicherheitstechnischer Meilenstein der Automobilgeschichte
Die Baureihe W116 gilt im Rückblick als einer der wichtigsten Meilensteine für die passive und aktive Fahrzeugsicherheit. Im Jahr 1980 ging in dieser Modellreihe das erste elektronische Antiblockiersystem in Serie, das in enger Zusammenarbeit mit Bosch entwickelt worden war und das Blockieren der Räder bei einer Vollbremsung wirksam verhinderte. Doch auch die passive Sicherheit wurde stark optimiert. Die Ingenieure platzierten den Kraftstofftank kollisionsgeschützt über der Hinterachse, um ihn bei einem Heckaufprall vor Verformungen zu bewahren. Eine steife Fahrgastzelle mit definierten Knautschzonen sowie das markante Vierspeichen-Sicherheitslenkrad schützten die Insassen im Falle eines Unfalls effektiver als in jedem anderen Fahrzeug der Epoche.
Der 450 SEL 6.9: Ein technisches Monument der Extraklasse
Den absoluten Höhepunkt der Baureihe stellte das im Mai 1975 präsentierte Topmodell 450 SEL 6.9 dar. Unter der langgestreckten Haube arbeitete ein gewaltiger V8-Motor mit 6,9 Litern Hubraum, der auf dem Triebwerk des legendären Repräsentationsfahrzeugs Mercedes 600 basierte. Mit einer Leistung von 286 PS und einem enormen Drehmoment beschleunigte der Wagen auf Sportwagenniveau, während im Innenraum absolute Stille herrschte. Statt konventioneller Stahlfedern verbaute Mercedes eine aufwendige Hydropneumatik, die eine automatische Niveauregulierung garantierte und den Fahrkomfort selbst bei schlechten Straßenverhältnissen auf ein neues Niveau hob. Heute gehört der 6.9 zu den gesuchtesten Sammlerobjekten der Marke.
Der 300 SD und die Erfindung des Luxus-Diesels
Eine weitere Pionierleistung gelang Mercedes-Benz im Jahr 1978 mit dem Modell 300 SD. Mitten in der Phase strengerer Abgas- und Verbrauchsvorschriften in den Vereinigten Staaten implantierte das Werk einen Fünfzylinder-Turbodiesel in die Flaggschiff-Limousine. Dies war die weltweite Geburtsstunde des Oberklasse-Diesels. Der Wagen bot eine hervorragende Reichweite und solide Fahrleistungen bei einem für damalige Verhältnisse erstaunlich niedrigen Kraftstoffverbrauch. Da das Modell exklusiv für den nordamerikanischen Export bestimmt war, um die Flottenverbrauchsvorgaben einzuhalten, ist der W116 Diesel auf europäischen Straßen heute eine absolute Rarität.
Kaufberatung für Sammler: Die typischen Rost- und Technikprobleme
Wer sich heute auf dem Oldtimer-Markt nach einem erhaltenswerten W116 umsieht, sollte sich der zeittypischen Schwachstellen bewusst sein. Da eine werkseitige Hohlraumversiegelung in den siebziger Jahren noch in den Kinderschuhen steckte, ist Korrosion das Hauptproblem. Besondere Aufmerksamkeit verlangen die vorderen Kotflügelauflagen, die Schweller, die Radläufe sowie die Bodenbleche im Bereich der Fußräume. Technisch gelten die Motoren bei regelmäßiger Wartung als extrem langlebig. Allerdings fordern die frühen V8-Modelle mit der elektronischen Bosch D-Jetronic-Einspritzung heute geschulte Fachkräfte, da poröse Unterdruckschläuche oder gealterte Steuergeräte die Fehlersuche bei unruhigem Motorlauf sehr komplex gestalten können.