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Kult der Zuverlässigkeit: Der Strich-Acht (W114/W115)

Der Mercedes-Benz Strich-Acht – Legende des automobilen Alltags

Kult der Zuverlässigkeit: Der Strich-Acht (W114/W115)

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Unter dem weltberühmten Spitznamen Strich-Acht ging die Baureihe W114 und W115 in die Geschichtsbücher ein. Die Bezeichnung leitet sich schlicht vom Erscheinungsjahr 1968 ab, in dem Mercedes-Benz diese vollkommen neu konstruierte Generation der oberen Mittelklasse auf den Markt brachte. Entworfen vom französischen Stardesigner Paul Bracq, brach der Wagen optisch mit den Heckflossen-Formen der sechziger Jahre und setzte stattdessen auf eine klare, sachliche und zeitlose Linienführung. Mit fast zwei Millionen produzierten Exemplaren bildete der Strich-Acht über Jahre hinweg das solide Rückgrat der deutschen Taxiflotte und festigte den Ruf der Marke als Hersteller unzerstörbarer Automobile.

Die feine Trennung: Sechszylinder W114 gegen Vierzylinder W115

Für den Laien oft kaum zu unterscheiden, splittete Mercedes-Benz die Modellreihe intern penibel nach Motoren auf. Unter dem Code W114 liefen die anspruchsvolleren Modelle mit Sechszylinder-Reihenmotoren vom Band, die sich optisch oft durch einen doppelten Stoßfänger an der Front und edlere Details im Innenraum abhoben. Die Baureihe W115 hingegen umfasste die wirtschaftlichen Varianten mit Vier- sowie den späteren Fünfzylindertriebwerken. Neben der klassischen viertürigen Limousine bereicherte ab 1969 das wunderschöne Coupé die Familie. Ohne störende B-Säule und mit voll versenkbaren Seitenscheiben gilt das Coupé heute als gesuchtes Stilobjekt. Zudem bot das Werk langgestreckte Pullman-Limousinen mit bis zu acht Sitzplätzen an, während offizielle Kombiversionen erst beim Nachfolger eine Rolle spielen sollten.

Sicherheit und Innenraumkomfort im Fokus der Entwicklung

Auch beim Thema Insassenschutz leistete der Strich-Acht beachtliche Pionierarbeit. Das Cockpit wurde nach neuesten Erkenntnissen der Unfallforschung gestaltet. Die gesamte Armaturentafel bestand aus nachgiebigem Polyurethan-Schaumstoff, Schalter und Hebel wurden versenkt oder flexibel ausgeführt, um das Verletzungsrisiko bei einem Aufprall drastisch zu reduzieren. Eine neue Fahrwerkskonstruktion mit einer Schräglenker-Hinterachse sorgte zudem für ein stabiles und gutmütiges Fahrverhalten im Grenzbereich. Komfortable Details wie die links im Fußraum platzierte Feststellbremse schufen Platz im Mitteltunnel und prägten das typische Mercedes-Bedienerlebnis für die nachfolgenden Jahrzehnte.

Der 240 D 3.0 und das Fünf-Zylinder-Diesel-Monument

Automobile Weltgeschichte schrieb Mercedes-Benz im Jahr 1974 mit der Vorstellung des Modells 240 D 3.0. Inmitten der ersten großen Ölkrise präsentierten die Stuttgarter den weltweit ersten Pkw mit einem Fünfzylinder-Dieselmotor. Der legendäre OM 617 leistete für damalige Verhältnisse beachtliche 80 PS und machte den typisch trägen Dieselantrieb fit für die linke Autobahnspur. Diese Triebwerke waren mechanisch so robust konstruiert, dass Laufleistungen von weit über einer Million Kilometer keine Seltenheit darstellten. Legendär ist das Exemplar eines griechischen Taxifahrers, der mit seinem Strich-Acht nachweislich 4,6 Millionen Kilometer zurücklegte, was dem Wagen einen festen Platz im Mercedes-Museum einbrachte.

Schrauber-Check: Wo der Zahn der Zeit am Strich-Acht nagt

Wer heute mit dem Gedanken spielt, sich einen Strich-Acht als Oldtimer zuzulegen, muss sich auf eine intensive Blechschau gefasst machen. Da die Fahrzeuge ab Werk fast ohne wirksamen Rostschutz ausgeliefert wurden, ist die braune Pest der größte Feind des Klassikers. Zu den absoluten Albtraum-Zonen gehören die Wasserkästen unterhalb der Windschutzscheibe. Rostet das Blech dort durch, dringt Regenwasser ungehindert in den Innenraum und zerstört die Elektrik sowie die Teppiche. Die Reparatur erfordert das komplette Heraustrennen der Spritzwand. Ebenso kritisch sind die vorderen Kotflügelspitzen, die Schwellerecken und die hinteren Achsaufnahmen. Mechanisch sind die Autos zwar unkompliziert und dankbar zu schrauben, doch gesunde Karosserien ohne massiven Sanierungsbedarf sind inzwischen extrem selten geworden.

W114 vs. W115: Die Nomenklatur
1. Der 'Strich-Acht' teilt sich intern in die Baureihen W114 und W115 auf. Welche Unterscheidungsmerkmale zwischen diesen beiden Codes sind korrekt?
Karosserieformen ab Werk
2. Welche dieser Karosserievarianten des Strich-Acht konnte man damals offiziell und regulär beim Mercedes-Händler bestellen?
Sicherheit & Interieur
3. Der Designer Paul Bracq gestaltete ein Fahrzeug, das auch beim Thema Sicherheit neue Wege ging. Welche Details feierten hier Premiere oder waren typisch?
Der unzerstörbare Diesel
4. Besonders die Dieselmodelle zementierten den Ruf der absoluten Unzerstörbarkeit. Welcher historische Meilenstein gelang Mercedes 1974 mit dem Modell 240 D 3.0?
Schwachstellen bei der Besichtigung
5. Wenn man heute ein Strich-Acht Projekt kauft, lauern teure Fallen. Welche Bereiche am Blechkleid sind besonders gefürchtet?



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